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Klinisch Verifizierte Materia Medica

Was als einfache Aktualisierung von Dr. Morrisons Handbuch der homöopathischen Leitsymptome begann, entwickelte sich zu etwas weitaus Tiefergehendem. Während dieses Prozesses griff Dr. Morrison auf ein umfangreiches Archiv geheilter Fälle zurück – gesammelt über drei Jahrzehnte hinweg aus Fachzeitschriften, Seminaren, eigenen Fällen und denen von Kollegen – zusammengetragen gemeinsam mit seiner Frau Nancy Herrick.

Anfangs dienten diese Fälle dazu, sein Verständnis der Arzneimittel zu über prüfen und zu verfeinern. Doch im Verlauf des Projekts änderte Dr. Morrison seinen Ansatz grundlegend: Anstatt sich auf theoretische Konzepte zu stützen, konzentrierte er sich ausschließlich auf das, was die geheilten Fälle tatsächlich zeigten.

Das Ergebnis ist eine Materia Medica, die vollständig auf verifizierten, geheilten Symptomen basiert – und damit das heute wohl genaueste, umfassendste und lebendigste Bild jedes einzelnen Mittels bietet.

Dieses bahnbrechende Werk wird nun in der Klinisch Verifizierten Materia Medica präsentiert.

Ein Wort von Dr. Morrison zur Entstehung der Klinisch Verifizierten Materia Medica:

"Ich begann 2010 mit der Arbeit an diesem Buch, als mir klar wurde, dass mein ursprüngliches Handbuch der homöopathischen Leitsymptome einer Aktualisierung bedurfte. Dies lag vor allem an der Verfügbarkeit vieler neuer Arzneimittellehren, neuer Fallsammlungen, neuer Prüfungen neuer Mittel, neuer Arbeiten zum Periodensystem, zu Pflanzenfamilien und unzähliger weiterer Innovationen und kreativer Entwicklungen im Bereich der Homöopathie. Ich verspürte das Bedürfnis, all diese neuen Informationen so gut wie möglich zu synthetisieren. Gleichzeitig wollte ich zu meiner eigenen Weiterbildung all diese Fortschritte im Detail studieren, um meine eigene Praxis zu verbessern. Auf diese Weise hoffte ich, mein Handbuch der homöopathischen Leitsymptome für die Fachwelt nützlicher zu machen. Ich ahnte nicht, wohin mich ein solches Vorhaben führen würde.

 

Dieses Buch, Klinisch Verifizierte Materia Medica, enthält umfangreiche Ergänzungen und Einsichten (und auch einige Streichungen) in jedes Arzneimittelbild. Diese Informationen stammen nur zu einem kleinen Teil aus meinen eigenen Fällen und über 40 Jahren homöopathischer Praxis, sondern vor allem aus dem intensiven Studium von Tausenden geheilter Fälle von Hunderten von Homöopathen aus aller Welt. Dass ich in der Lage war, diesen Text zu erstellen, verdanke ich zwei glücklichen Fügungen.

 

Die erste glückliche Fügung lag in meiner Ausbildung, denn hierin war ich außerordentlich privilegiert. Ich hatte die einzigartige Gelegenheit zu einem langen und intensiven Studium mit zwei der größten Homöopathen unserer Zeit: zunächst mit George Vithoulkas und später mit Rajan Sankaran. Dieser Hintergrund verschaffte mir ein breites Verständnis der Arzneimittel, der Patienten und der Fallanalyse. Kurz gesagt, er ermöglichte es mir, diese Tausenden von geheilten Fällen objektiv und tiefgehend zu betrachten.

 

Die zweite glückliche Fügung bestand darin, meine inspirierte Frau und Partnerin Nancy Herrick geheiratet zu haben. Bereits in den frühen 1980er-Jahren begann Nancy, geheilte Fälle für jedes Arzneimittel zu sammeln und zu archivieren, und überzeugte mich schließlich, dasselbe zu tun. Sie sammelte Fälle aus jeder Zeitschrift, jedem Seminar, jeder Konferenz, von Mitarbeitern, Kollegen, unseren eigenen Studenten und aus unserer eigenen Praxis. Wir fanden zudem alle verfügbaren Bücher mit großen Fallzahlen von Autoren aus der ganzen Welt und durchsuchten elektronische Fachzeitschriften.

 

Als ich mit der Arbeit an diesem Text begann, waren unsere Archive mit fast 10.000 geheilten und soliden Fällen gefüllt—meist durch jeweils ein einzelnes Mittel geheilt. Dass diese Fälle von einer enormen Anzahl unterschiedlicher Autoren und verschiedener Ansätze der Fallanalyse stammten, erwies sich langfristig als eine der größten Stärken dieses Buches. Ein einzelner Verordner kann ein verzerrtes Bild eines Mittels entwickeln, doch wenn die Arbeit von Hunderten von Verordnern zusammengeführt wird, erhalten wir eine wesentlich verlässlichere Datengrundlage.

 

Zu Beginn dessen, was ich für eine einfache Aktualisierung meines bestehen den Buches hielt, nutzte ich die Fallarchive eher beiläufig. Schließlich wollte ich aufschreiben, was ich über das Mittel „wusste“, weitgehend unabhängig davon, was in den geheilten Fällen stand. Nachdem ich ein Kapitel verfasst hatte, las ich einige Fälle durch, um zu sehen, wie gut meine Darstellung mit den Fällen übereinstimmte. Die Arbeit war mein bestmöglicher Versuch, doch es fehlte etwas—weil ich die Bedeutung und Kraft der geheilten Fälle noch nicht verstanden hatte.

 

Erst nach einigen Jahren wurde mir der wahre Wert dieser Fälle bewusst— erst dann begann ich, diese Ressource ernst zu nehmen. Was ich in diesen Fällen entdeckte, war eine verblüffende Übereinstimmung der Informationen: Patienten völlig unabhängiger Autoren verwendeten exakt dieselben Worte, um sich selbst und ihre Pathologie zu beschreiben. Schließlich überzeugte mich die Evidenz meiner eigenen Beobachtungen davon, dass ich auf einer wahren Goldmine saß – einer Goldmine an Informationen, die helfen konnte, aus den vielen neuen Ideen und teilweise widersprüchlichen Arzneimittelbildern das Wesentliche herauszufiltern – einer Goldmine, die uns einen Weg zur Wahrheit weisen kann.

 

Während ich mich beim Schreiben immer intensiver mit den geheilten Fällen beschäftigte, kam mir eines Tages der Gedanke: „Was, wenn diese Fälle nicht nur dazu dienen, mir beim Schreiben über das Mittel zu helfen – was, wenn sie wichtiger sind als alles, was ich schreibe? Was, wenn diese Fälle das Mittel selbst sind?“ In diesem Moment entschied ich, ausschließlich das niederzuschreiben, was in den Fällen zu finden war – genau so, wie die Informationen dargestellt wurden – und alles zu ignorieren, was ich zu wissen glaubte oder gelernt hatte. Im Wesentlichen ließ ich die geheilten Fälle für sich selbst sprechen – ich wurde zum Instrument ihrer stillen Stimmen. Das Ergebnis waren Arzneimittelkapitel, die direkter und präziser waren, frei von Mehrdeutigkeit, Übertreibung oder Spekulation.

 

Dies bedeutete, dass ich das Buch vollständig neu beginnen musste und da bei mehrere Jahre Arbeit verwarf. Ich schrieb alle Kapitel aus dieser neuen Perspektive neu und fand schließlich, dass meine Rolle eher die eines Reporters oder Übersetzers war als die eines Autors. Die geheilten Fälle wurden so mit zum eigentlichen Autor des Buches, während ich lediglich der Schreiber oder Interpret war. Da es sich damit um ein völlig anderes Werk als den Desktop Guide handelte, entschied ich mich für den Titel Klinisch Verifizierte Materia Medica.

 

Ich sehe dieses Buch als einen Versuch, die Materia Medica zu klären und gleichzeitig zu erweitern. Die Verwendung geheilter Fälle gibt uns eine Art Realitätsprüfung. Ohne solche Methoden des Abgleichs und der Überprüfung kann die Homöopathie zu einer komplexen Echokammer werden. Die Gefahr besteht darin, dass jeder neue Autor dieselben Wahrheiten und Fehler wiederholt, wodurch sowohl das Gute als auch das Irreführende verstärkt wer den und jeglicher Fortschritt zum Stillstand kommt. Ein Reporter oder Übersetzer jedoch hat die Aufgabe, seinen Quellen so treu und genau wie möglich zu bleiben. In diesem Fall bestand meine Quelle in der Arbeit der gesamten homöopathischen Gemeinschaft – der besten veröffentlichten oder vorgetragenen Fallarbeit.

 

Die Homöopathie ist eine sich entwickelnde Wissenschaft. Wir Homöopathen waren stets flexibel. Wir haben Arzneimittel von Allopathen, Kräuterkundigen, traditionellen Heilern, weisen Frauen und im Grunde überall dort übernommen, wo wir sie fanden. In den meisten (wenn auch keineswegs allen) Fällen wurde anschließend eine Arzneimittelprüfung durchgeführt – doch wie geht es danach weiter?

 

Arzneimittelprüfungen sind der erste Schritt, um die innere Geschichte eines Mittels zu erschließen. Der nächste Schritt besteht darin, einen Patienten mit diesem Mittel zu heilen. Dadurch wird das Mittel aus dem Bereich der Theorie in die Realität überführt. Die geheilten Fälle übertreffen schließlich die Prüfung und zeigen, welche Prüfsymptome wirklich zuverlässig sind. Sie setzen diese Symptome zudem in einen Kontext. Nach genügend geheilten Fällen kann sich allmählich ein klares Bild des Mittels herausbilden.

 

Brillante Köpfe erkennen oft tiefgreifende Zusammenhänge bei tief geheilten Patienten (Kent, Phatak, Vithoulkas, Sankaran). Daraus entstehen die „Essenz “ oder „Genie“-Bilder, die Homöopathen seit zwei Jahrhunderten unterstützen. Unsere heutigen kreativen Denker sind noch weiter gegangen und haben Wissen über Gruppen von Mitteln entwickelt (Periodensystem, Pflanzen- und Tierfamilien, Sarkoden usw.). Während also die Prüfung der erste Schritt ist, bilden die geheilten Fälle die „letzte Instanz“. Dieses Buch hat das Ziel, diese endgültige Form der Information zu dokumentieren.

Ich empfinde eine große Verantwortung beim Schreiben dieses Buches – die Essenz der Fälle zu erfassen, die Ergebnisse so klar und einfach wie möglich darzustellen und die Informationen in einer Form zu präsentieren, die so wohl übersichtlich als auch leicht nachzuschlagen ist. Mein gesamtes Anlie gen mit diesem Lehrbuch ist es, Ihnen, meinen geschätzten Kollegen und Stu denten unserer geliebten Homöopathie, ein Werkzeug zu geben, das Sie in hohem Maße verdienen.

 

Ich hoffe und glaube aufrichtig, dass dieses Buch Ihnen helfen wird, die rich tigen Mittel für Ihre Patienten zu finden, Sie in Ihrer Entscheidungsfindung in der Praxis unterstützt und Ihnen mehr Sicherheit und Vertrauen in Ihre Ver ordnungen gibt. Möge es Sie auf diesem oft schwierigen Weg begleiten.

 

Mit Liebe, Respekt und Herzlichkeit gegenüber allen Homöopathen weltweit, — Roger“

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